Allergien vs. Sinusitis: Wie lassen sich die Symptome unterscheiden?
Rhinologie

Allergien vs. Sinusitis: Wie lassen sich die Symptome unterscheiden?

05. November 2025
Dr. Emirjon Haxhiu

Zu den Jahreszeitenwechseln kommen viele Patienten mit verstopfter Nase, Gesichtsschmerzen, Kopfschmerzen und Nasensekret in unsere Klinik. Die häufigste Frage lautet: Ist das eine Allergie oder eine Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis)? Obwohl sich die Symptome erheblich überschneiden können, sind Ursprung, Verlauf und Behandlung grundlegend verschieden – und genau darin liegt die Bedeutung einer präzisen Diagnose.

Was ist allergische Rhinitis?

Eine Allergie ist die überschießende Reaktion des Immunsystems auf eine harmlose Substanz aus der Umwelt, etwa Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze oder Tierhaare. Beim Kontakt mit dem Allergen setzt der Körper Histamin frei, das die charakteristischen Symptome auslöst:

  • Juckreiz in Nase, Augen oder am Gaumen – das kennzeichnendste Zeichen einer Allergie.
  • Häufige Niesanfälle in Serie, besonders morgens oder bei Allergenkontakt.
  • Klares, wässriges Sekret aus beiden Nasenlöchern.
  • Gerötete, tränende, geschwollene Augen (allergische Bindehautentzündung).
  • Wochen- oder monatelange Beschwerden – solange die Allergenexposition anhält.

Die allergische Rhinitis kann saisonal auftreten (Gräser- und Baumpollen im Frühjahr und Sommer) oder ganzjährig (Hausstaub, Haustiere, Schimmel). Fieber gehört nicht zum Krankheitsbild.

Was ist Sinusitis?

Die Sinusitis ist eine Entzündung der Schleimhaut der luftgefüllten Hohlräume (Nasennebenhöhlen) rund um die Nase. Nach der Dauer unterscheidet man die akute (bis 4 Wochen), die subakute und die chronische Form (über 12 Wochen). Am häufigsten wird sie durch Viren verursacht, seltener durch Bakterien und in Sonderfällen durch Pilze. Zu den charakteristischen Symptomen gehören:

  • Druck oder Schmerzen um Augen, Stirn und Wangen, die sich beim Vorbeugen verstärken.
  • Dickflüssiges, gelbes oder grünliches Nasensekret, oft auch mit Sekretfluss in den Rachen.
  • Deutliche Minderung des Geruchs- und Geschmackssinns.
  • Fieber, allgemeine Abgeschlagenheit und Mundgeruch (Halitosis).
  • Kopfschmerzen, die im Tagesverlauf oder bei Lageänderungen des Kopfes zunehmen.

Wie unterscheidet man beide in der Praxis?

Einige Anhaltspunkte helfen bei der Unterscheidung: Juckreiz und Niesanfälle sprechen für eine Allergie, während Gesichtsschmerzen und dickes, verfärbtes Sekret für eine Sinusitis sprechen. Fieber tritt nur bei der Sinusitis auf. Eine Allergie folgt meist einem saisonalen Muster oder ist an eine bestimmte Umgebung gebunden (sie verschlimmert sich z. B. zu Hause oder in der Nähe von Tieren), während die akute Sinusitis oft nach einer Erkältung entsteht, die sich statt zu bessern nach dem 5. bis 7. Tag verschlechtert.

Wie hängen Allergie und Sinusitis zusammen?

Beide Erkrankungen schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Eine unbehandelte Allergie führt zu einer chronischen Schleimhautschwellung, welche die feinen Abflusskanäle der Nebenhöhlen verlegt. Das gestaute Sekret bildet einen idealen Nährboden für Bakterien, und aus der Allergie entwickelt sich eine bakterielle Sinusitis. Deshalb leiden Patienten mit unkontrollierter allergischer Rhinitis deutlich häufiger an wiederkehrenden und chronischen Nasennebenhöhlenentzündungen.

Die Diagnostik in unserer Klinik

Eine falsche Behandlung verlängert nicht nur das Leiden, sondern kann den Zustand verschlimmern: Antibiotika heilen keine Allergie, ebenso wenig wie Antihistaminika eine bakterielle Nebenhöhleninfektion heilen. In unserer Klinik setzen wir die Nasen-Videoendoskopie ein – eine präzise, schmerzfreie Untersuchung, mit der wir das Innere Ihrer Atemwege direkt auf dem Bildschirm betrachten können. Diese Untersuchung zeigt, ob Nasenpolypen, eine Verkrümmung der Nasenscheidewand (Septumdeviation), eitriges Sekret oder schlicht eine blasse, geschwollene Schleimhaut – typisch für eine Allergie – vorliegen. Bei Bedarf wird die Abklärung durch Allergietests oder bei chronischen Fällen durch eine Computertomographie (CT) der Nebenhöhlen ergänzt.

Wie werden sie behandelt?

Die Behandlung folgt der Diagnose:

  • Bei allergischer Rhinitis: Allergenkarenz, moderne Antihistaminika, kortisonhaltige Nasensprays (die wirksamste Langzeittherapie) und in ausgewählten Fällen die spezifische Immuntherapie, welche die Allergie an der Wurzel behandelt.
  • Bei Sinusitis: Nasenspülungen mit Kochsalzlösung, kortisonhaltige Sprays, abschwellende Mittel nur über kurze Zeiträume und Antibiotika ausschließlich bei nachgewiesener bakterieller Infektion. Bei chronischer Sinusitis oder therapieresistenten Polypen liefert die funktionelle endoskopische Nebenhöhlenchirurgie (FESS) hervorragende Ergebnisse.

Wann sollten Sie sich Sorgen machen?

Suchen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe, wenn Ihre Beschwerden länger als 10 Tage ohne Besserung anhalten, wenn sich Ihr Zustand nach anfänglicher Besserung wieder verschlechtert oder wenn hohes Fieber, Schwellungen um die Augen, Sehstörungen oder sehr starke Kopfschmerzen auftreten – das sind Alarmzeichen, die eine dringende Behandlung erfordern. Die präzise Diagnose ist immer der erste Schritt zur wirksamen Therapie: Behandeln Sie sich nicht auf Verdacht.